Exzellenzzentrum für Neuroendokrine Tumoren

Im November 2009 ist die Medizinische Klinik für Hepatologie und Gastroenterologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin von der Europäischen Gesellschaft für Neuroendokrine Tumoren (ENETS) als erstes Exzellenzzentrum für neuroendokrine Tumore europaweit zertifiziert worden.

Die Grundlage für den Zertifizierungsprozess ist der Verbund der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie mit den Kliniken für Chirurgie, für diagnostische Radiologie und Nuklearmedizin sowie dem Institut für Pathologie.

Sie befinden sich hier:

Zertifizierungskriterien

  • eine jährliche Mindestanzahlvon Patienten und Patientinnen
  • im Zentrum arbeitet ein Spezialistenteam mit mindestens 5-jähriger fachbezogener Expertise 
  • Interdisziplinäre Patientenbetreuung
  • Geringe Wartezeiten für Diagnostiktermine oder bis zum Therapiebeginn
  • Erfüllung hoher medizinischer Qualitätsstandards durch standardisierte Arbeitsabläufe (standard operating procedures, SOP) sowie interne und externe Qualitätskontrollen
  • Regelmäßige Sitzungen der Spezialisten zur Verbesserung der Zusammenarbeit innerhalb der Klinik sowie Etablierung einer integrierten Weiterbildung
  • Gewährleistung einer engmaschigen Betreuung der Patienten in der Nachsorge und Verlaufskontrolle, wobei diese je nach geplantem Untersuchungsaufwand teilstationär, stationär oder ambulant an unserem Zentrum erfolgen kann
  • Durchführung klinischer Studien zur Verbesserung der Therapie. Eine Übersicht über die aktuell in unserer Klinik durchgeführten klinischen Studien finden Sie demnächst auf unserer Homepage.

Leistung

  • ambulante Betreuung inklusive der Beratung und Behandlung von Patienten und Patientinnen mit neuroendokrinen Tumoren insbesondere der frühen, nicht metastasierten Stadien im Magen, Duodenum und Colon an, welche oft im Rahmen der endoskopischen Vorsorge-Untersuchungen als Zufallsbefund diagnostiziert werden  
  • ambulante Betreuung von Patienten und Patientinnen mit Polyposis-Erkrankungen und hereditären gastrointestinalen Neoplasien (GI-NPL) des Gastrointestinal-Traktes in enger Kooperation mit dem Institut für Humangenetik der Charité
  • ambulante Beratung, interdisziplinäre Behandlung und bei Notwendigkeit Vermittlung der stationären Behandlung von Patienten und Patientinnen mit schweren Karzinoid-Syndrom bei funktionellen NET.
  • Betreuung von Patienten mit sogenannten Hedinger-Syndrom (eine im Rahmen des Karzinoid-Syndroms entstehende Endokardfibrose des rechten Herzens, die zur Trikuspidalinsuffizienz und zur Pulmonalstenose führen kann) an, bei denen die kardiologische Betreuung in enger Kooperation mit der Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie der Charité (CCM) erfolgt. Zur Versorgung der Patienten und Psteht uns als bis dato einziges Zentrum weltweit, die Katheter basierte Klappenversorgung der Klappenschäden zur Verfügung
  • NETs des Magens, Duodenums und KoloBeratung, Therapiedurchführung und Verlaufskontrollen inklusive der endoskopischen Kontrollen der frühen neuroendokrinen Tumore des Magens und des Kolons (inklusive Rektums)
  • Hereditäre GI-NPL/Polyposissyndrome, Interdisziplinäre (Screening-) Diagnostik, inklusive der Initiierung der molekulargenetischen Diagnostik und (Familien-)Beratung in Kooperation mit dem Institut für Humangenetik der Charité, endoskopische und chirurgische Diagnostik und Therapie, Studienteilnahme
  • Erstellung eines interdisziplinären Behandlungskonzepts im Rahmen des ENETS zertifizierten Tumorboards der Charité

Diagnostik

Eine wichtige Voraussetzung für eine personalisierte und erkrankungsgerechte Behandlung des Patienten ist jedoch zu Beginn eine ausführliche Diagnostik. Um in unseren Tumorboardkonferenzen die bestmögliche Grundlage für die Beurteilung des Ausmaßes der Erkrankung zu ermöglichen, besitzen wir ein umfangreiches Angebot an diagnostischen Verfahren. Denn nur eine ausreichende und gründliche Diagnostik führt letztendlich zu einer optimalen Wahl des therapeutischen Verfahrens.

Unser Diagnostikangebot umfasst:

  • Ultraschall (Sonographie)
  • Magen- und Darmspiegelungen (Ösophagoduodenoskopie und Ileokoloskopie), ggf. kombiniert mit einem Ultraschall von Innen (Endosonographie)
  • Endoskopische Beurteilung des gesamten Dünndarms mittels Push-Enteroskopie sowie Durchführung einer Kapselendoskopie
  • Computertomographie (CT) mit oder ohne Kontrasmittel
  • Magnetresonanztomographie (MRT), ggf. mit speziellem Kontrastmittel für die Leber
  • Somatostatinrezeptorszintigrafie mit radioaktiv-markiertem Somatostatinanalogon (111Indium Octreotid)
  • 68Gallium DOTATOC Positronen-Emissionstomographie (PET) in Kombination mit einem konventionellen CT (PET/CT)
  • PET/CT mit radioaktiv markierter Glukose (FDG PET/CT )
  • 18F-DOPA-PET/CT
  • Ultraschall (Echokardiographie) und EKG des Herzens
  • und weitere Verfahren in Abhängigkeit von der klinischen Fragestellung

Therapie

Anschließend an die Diagnostik wird im Rahmen der interdisziplinären Tumorkonferenz natürlich auch das therapeutische Procedere festgelegt und durchgeführt, wobei alle angebotenen therapeutischen Optionen unter Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse durchgeführt werden. Hier kann neben den in Studien neu zu erforschenden Therapeutika zusätzlich auf ein breites Angebot bereits etablierter Therapiemöglichkeiten zurückgegriffen werden.

Unser Therapieangebot umfasst:

  • Einleitung und regelmäßige Fortführung einer Somatostatinanaloga-Therapie (Octreotid LAR, Lanreotid Autogel)
  • Durchführung diverser Chemotherapieregime
  • Lokalablative und loko-regionale Verfahren: TAE (transarterielle Embolisation), TACE (transarterielle Chemoembolisation), RFA (Radiofrequenzablation)
  • Nuklearmedizinische Verfahren: PRRT mit 90Yttrium markiertem Somatostatinanalogon oder 177Lutetium markiertem Somatostatinalogon
  • Selektive intraarterielle Radiotherapie (SIRT)
  • Ernährungsberatung
  • Koordination und Hilfestellung bei der ambulanten Versorgung